Die Voruntersuchung: Was vor der Kataraktoperation gemessen wird
Zwischen der Diagnose und dem Operationstermin liegt ein wichtiger Zwischenschritt: die Voruntersuchung. Bei diesem Termin wird das Auge präzise vermessen, die Kunstlinse ausgewählt und das Aufklärungsgespräch geführt. Wer weiß, was ihn erwartet, geht entspannter hin.
Warum ist die Voruntersuchung so wichtig?
Die Voruntersuchung ist keine Formalität. Sie ist die medizinische Grundlage für die gesamte Operation. Jedes Auge ist einzigartig. Augenlänge, Hornhautkrümmung und Linsenstärke variieren von Person zu Person erheblich. Nur durch präzise Messungen kann der Chirurg berechnen, welche Kunstlinse die richtige Stärke für Ihr Auge hat.
Ein Fehler bei der Messung würde bedeuten, dass das Sehergebnis nach der Operation vom Ziel abweicht. Deshalb sollte die Voruntersuchung in Ruhe und vollständig durchgeführt werden.
Ihr Weg zur Operation
Was wird bei der Voruntersuchung gemessen?
Alle Messungen sind berührungslos oder minimal, dauern jeweils nur wenige Minuten und sind schmerzlos.
Die wichtigste Messung. Ein Lasergerät misst die Augenlänge und die Hornhautkrümmung. Aus diesen Werten berechnet der Arzt die Stärke der Kunstlinse. Die Messung ist berührungslos und schmerzlos.
Eine 3D-Karte der Hornhautoberfläche zeigt, ob ein Astigmatismus (Hornhautverkrümmung) vorliegt. Besonders wichtig für die Planung torischer Linsen.
Die innerste Hornhautschicht wird unter dem Mikroskop ausgezählt. Eine niedrige Zellzahl erhöht das Risiko einer vorübergehenden Hornhautschwellung nach der Operation.
Misst die Dicke der Hornhaut. Eine dünne Hornhaut kann bei der Operation empfindlicher reagieren. Die Messung dauert wenige Sekunden.
Wird bei hellem und schwachem Licht gemessen. Besonders relevant bei Premium-Linsen: sehr große Pupillen können das Risiko von Halos und Lichtringen erhöhen.
Sehschärfe, Augendruck, Netzhaut und Sehnerv werden geprüft. Begleiterkrankungen wie Glaukom oder Makuladegeneration, die das Ergebnis beeinflussen, werden dabei erkannt.
Das Aufklärungsgespräch
Bei der Voruntersuchung erklärt der Chirurg den geplanten Eingriff und bespricht die Linsenoptionen. Sie erfahren, welche Linse für Sie in Frage kommt und warum. Der Arzt erklärt die möglichen Risiken und Komplikationen. Am Ende unterschreiben Sie die Einverständniserklärung.
Nutzen Sie diesen Termin für alle Ihre Fragen. Es gibt keine unwichtigen Fragen. Ein gutes Aufklärungsgespräch ist die Grundlage für eine informierte Entscheidung.
Fragen, die Sie mitbringen könnten:
- Welche Linse empfehlen Sie mir und warum?
- Welches Sehergebnis ist realistisch?
- Muss ich eine Brille zuzahlen oder bleibt eine Lesebrille nötig?
- Was passiert, wenn das Ergebnis nicht meinen Erwartungen entspricht?
Das Medikamentengespräch
Der Chirurg fragt nach allen Medikamenten, die Sie regelmäßig einnehmen. Bringen Sie eine vollständige Liste mit, inklusive rezeptfreier Mittel und Nahrungsergänzungsmittel. Zwei Gruppen sind besonders wichtig:
Alpha-Blocker (z.B. Tamsulosin) — immer mitteilen
Diese Medikamente, häufig bei Prostataerkrankungen verschrieben, können während der Operation das sogenannte Intraoperative Floppy-Iris-Syndrom (IFIS) auslösen, bei dem die Regenbogenhaut erschlafft. Ist der Chirurg informiert, kann er sich darauf vorbereiten. Teilen Sie Alpha-Blocker immer mit, auch wenn Sie sie schon lange nicht mehr nehmen.
Blutverdünner — meist kein Absetzen nötig
Bei der Kataraktoperation unter Tropfbetäubung müssen Blutverdünner in den meisten Fällen nicht abgesetzt werden. Der Arzt bespricht das individuell. Setzen Sie Blutverdünner niemals eigenständig ab. Mehr dazu auf der Vorbereitungs-Seite.
Was müssen Sie vor der Voruntersuchung beachten?
Vier Punkte, die Sie vorbereiten sollten:
Weiche Linsen: mindestens 1 Woche vorher. Harte Linsen: 2 bis 4 Wochen. Kontaktlinsen verändern die Hornhautform und würden die Biometrie verfälschen.
Bringen Sie Ihre aktuelle Brille mit. Der Arzt braucht die Werte als Ausgangsinformation.
Alle Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, inklusive rezeptfreier Mittel und Nahrungsergänzungsmittel.
Bei der Voruntersuchung werden die Augen meist weitgestellt. Das beeinträchtigt vorübergehend das Sehen. Planen Sie eine Begleitperson oder öffentliche Verkehrsmittel ein.
Wie lange dauert die Voruntersuchung?
Ein vollständiger Voruntersuchungstermin dauert typischerweise 1 bis 2 Stunden. Der größte Teil der Zeit entfällt auf die Wartezeit nach den Weitstellungstropfen, die 20 bis 30 Minuten brauchen, um zu wirken.