Häufige Fragen zum grauen Star
Hier finden Sie Antworten auf die Fragen, die Patientinnen und Patienten am häufigsten stellen, von Diagnose und Operationsablauf bis zu Kosten und Nachsorge.
Diagnose & Symptome
Typische Zeichen sind zunehmend verschwommenes oder trübes Sehen, das sich mit Brillen nicht mehr vollständig korrigieren lässt, erhöhte Blendempfindlichkeit (besonders beim Autofahren nachts), verblasste Farben und das Gefühl, durch einen Schleier zu schauen. Nur ein Augenarzt kann durch die Spaltlampenuntersuchung eine sichere Diagnose stellen.
Ja. In den meisten Fällen entwickelt sich der graue Star auf beiden Augen, allerdings oft in unterschiedlichem Tempo. Das eine Auge kann stärker betroffen sein als das andere. Operiert wird trotzdem meistens ein Auge nach dem anderen, mit einigen Wochen Abstand.
Nein, das sind zwei völlig verschiedene Erkrankungen. Grauer Star (Katarakt) ist eine Trübung der Augenlinse, heilbar durch Operation. Grüner Star (Glaukom) ist ein erhöhter Augeninnendruck, der den Sehnerv schädigt, nicht heilbar, aber behandelbar. Beide können gleichzeitig vorkommen, haben aber unterschiedliche Ursachen, Symptome und Therapien.
Nein. Es gibt kein Medikament, keine Augentropfen und keine Brille, die eine bereits getrübte Linse wieder klar machen. Vitaminpräparate oder Nahrungsergänzungen haben keinen nachgewiesenen Effekt. Die einzige wirksame Behandlung ist die Operation, bei der die trübe Linse durch eine klare Kunstlinse ersetzt wird.
Das ist sehr unterschiedlich. Der Alterskatarakt entwickelt sich meist langsam über Jahre. Manche Menschen bemerken jahrelang kaum eine Veränderung, bei anderen verschlechtert sich das Sehen innerhalb weniger Monate spürbar. Bei Diabetes, nach Verletzungen oder unter Kortisontherapie kann der Verlauf schneller sein. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt zeigen, wie weit der graue Star fortgeschritten ist.
Der Alterskatarakt beginnt meist ab dem 60. Lebensjahr. Bei den 70- bis 80-Jährigen ist etwa jede zweite Person betroffen, bei den über 80-Jährigen mehr als sieben von zehn. Seltener tritt grauer Star auch früher auf, etwa durch Diabetes, Verletzungen, Kortison oder angeboren bei Neugeborenen.
Vor der Operation
Es gibt keinen fixen Grenzwert. Operiert wird, wenn die Sehverschlechterung den Alltag einschränkt, zum Beispiel beim Autofahren, Lesen oder Fernsehen. Auch wenn Brillen die Sehschärfe nicht mehr ausreichend verbessern können, ist eine OP sinnvoll. Ihr Augenarzt beurteilt die Situation und berät Sie individuell.
Technisch ja, grauer Star ist keine Notfallsituation. Allerdings kann ein sehr dichter Katarakt die Operation später schwieriger machen. Zudem steigt mit der Zeit das Sturzrisiko durch schlechte Sicht. Ein weiteres Abwarten ist sinnvoll, wenn die Sehbeeinträchtigung noch gering ist. Ihr Arzt kann einschätzen, wie dringend der Eingriff bei Ihnen ist.
Nicht bei der üblichen Tropfbetäubung (Lokalanästhesie), die in über 95 % der Fälle verwendet wird. Wenn Sie Vollnarkose erhalten (sehr selten bei Erwachsenen), gelten die üblichen Nüchternheitsregeln (6 Stunden). Ihr Arzt informiert Sie rechtzeitig.
Blutverdünner (ASS, Marcoumar, NOAKs) werden meistens NICHT abgesetzt, das Blutungsrisiko im Auge ist bei dieser OP minimal. Unbedingt mitteilen müssen Sie Tamsulosin und andere Alpha-Blocker (häufig bei Prostataerkrankungen): Diese erhöhen das Risiko eines Iris-Syndroms (IFIS) und müssen dem Chirurgen bekannt sein. Bringen Sie immer Ihre vollständige Medikamentenliste mit.
Als Kassenpatient müssen Sie je nach Klinik und Bundesland mit etwa 6 bis 12 Monaten rechnen, in Ballungsräumen oft länger. Als Privatpatient oder mit passender Zusatzversicherung bekommen Sie meist innerhalb von 1 bis 4 Wochen einen Termin. Ist Ihre Sehschärfe stark eingeschränkt oder Ihre Sicherheit im Alltag gefährdet, sprechen Sie mit Ihrem Arzt über einen früheren Termin.
Bei der Voruntersuchung wird Ihr Auge genau vermessen. Die wichtigste Messung ist die Biometrie, aus der die passende Stärke der Kunstlinse berechnet wird. Dazu kommen eine Spaltlampenuntersuchung, eine Kontrolle der Netzhaut und des Augeninnendrucks. Im Gespräch klären Sie gemeinsam mit dem Arzt, welcher Linsentyp zu Ihrem Alltag passt. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert meist unter einer Stunde.
Die Operation selbst
Ja. Die Operation erfolgt unter Tropfbetäubung, Sie sind wach, aber das Auge ist vollständig betäubt. Sie sehen Licht und verschwommene Bewegungen, aber keine Details des Eingriffs. Viele Patienten beschreiben es als entspannt. Bei Bedarf können Sie ein leichtes Beruhigungsmittel bekommen.
Nein. Das Auge ist vollständig betäubt. Manche Patienten beschreiben ein leichtes Druckgefühl, aber keine Schmerzen. Nach der OP kann das Auge einige Stunden leicht brennen oder reizen, das lässt rasch nach.
Der eigentliche Eingriff dauert 10–20 Minuten. Im Krankenhaus sind Sie inklusive Vorbereitung und Überwachung danach ca. 2–4 Stunden. Die meisten Patienten gehen am gleichen Tag nach Hause.
Ein kleiner Lidhalter hält das Auge sanft offen, Sie müssen also nicht bewusst gegen das Blinzeln ankämpfen. Das Auge ist betäubt und bewegt sich kaum. Sollten Sie sich unwohl fühlen, sagen Sie einfach Bescheid, statt sich plötzlich zu bewegen. Der Chirurg ist auf kleine Bewegungen eingestellt, und bei Bedarf gibt es ein leichtes Beruhigungsmittel.
Meistens werden die Augen getrennt operiert, typisch mit 1 bis 4 Wochen Abstand. So kann das Ergebnis des ersten Auges in die Linsenberechnung des zweiten einfließen. Eine Operation beider Augen am selben Tag ist in bestimmten Fällen möglich, das Vorgehen hängt aber vom Operateur und der Klinik ab.
Nach der Operation
Viele Patienten berichten schon am nächsten Morgen über deutlich besseres Sehen. Der Heilungsprozess dauert 4–6 Wochen, bis die Sehschärfe vollständig stabil ist. Erst dann sollte eine neue Brille angepasst werden.
Das hängt von der gewählten Kunstlinse ab. Mit einer monofokalen Standardlinse (Kassenleistung) sehen Sie meist in der Ferne gut, benötigen aber eine Lesebrille. Mit einer trifokalen Premium-Linse sind über 80 % der Patienten im Alltag brillenfrei. Ihr Arzt bespricht die Optionen vor der OP mit Ihnen.
Die Kunstlinse selbst trübt sich nicht. Allerdings kann sich die hintere Linsenkapsel, die als Halterung der Linse dient, nach Monaten oder Jahren eintrüben, das nennt sich Nachstar. Er tritt bei 20–40 % der Patienten auf und wird mit einem 5-minütigen Lasereingriff (YAG-Kapsulotomie) vollständig behoben. Dieser Eingriff ist von der ÖGK gedeckt.
Nicht sofort. Autofahren ist erst wieder erlaubt, wenn Ihr Augenarzt bei der Kontrolle bestätigt hat, dass Ihre Sehschärfe ausreicht. In der Regel ist das nach etwa ein bis zwei Wochen der Fall. Setzen Sie sich nicht ohne diese Freigabe ans Steuer, auch wenn Sie subjektiv schon gut sehen.
In den ersten ein bis zwei Wochen sollten Sie nicht am Auge reiben, nicht schwimmen, nicht in die Sauna und kein Augen-Make-up verwenden. Schweres Heben, Bücken mit dem Kopf nach unten und starke körperliche Anstrengung besser vermeiden. Fernsehen, Lesen und leichte Alltagstätigkeiten sind dagegen sofort erlaubt. Die genauen Regeln gibt Ihnen Ihr Arzt mit.
Ein Trockenheitsgefühl mit Kratzen oder dem Eindruck, ein Sandkorn sei im Auge, ist nach der Operation häufig und harmlos. Die kleinen Zugänge und die Augentropfen stören die Tränenschicht vorübergehend. Befeuchtende Tränenersatztropfen, am besten ohne Konservierungsstoffe, helfen. Die Beschwerden bessern sich meist innerhalb einiger Wochen von selbst.
Ja, solche Lichtphänomene (Dysphotopsien) sind in den ersten Wochen nicht ungewöhnlich. Manche nehmen Lichthöfe, Blendung oder helle Bögen wahr, andere einen sichelförmigen dunklen Schatten am äußeren Rand. Das entsteht durch die Lichtbrechung an der neuen Kunstlinse. In den allermeisten Fällen gewöhnt sich das Gehirn daran und die Wahrnehmung verschwindet. Bleibt sie störend, sprechen Sie Ihren Arzt an.
Kosten & Versicherung
Bei Monovision werden beide Augen mit monofokalen Standardlinsen versorgt, ein Auge auf Fernsicht, das andere auf Nahsicht eingestellt. Das Gehirn lernt, beide Bilder zu einem stimmigen Gesamtbild zu verbinden. Monovision ist vollständig von der ÖGK gedeckt, weil beide implantierten Linsen monofokale Kassenlinsen sind. Voraussetzung ist ein kurzer Kontaktlinsen-Vortest, um zu prüfen, ob das Prinzip für Sie angenehm ist. Nicht jeder verträgt Monovision, für geeignete Patienten ist es aber eine attraktive Möglichkeit, ohne Zuzahlung mehr Brillenunabhängigkeit zu erreichen.
Ja. Die Operation mit einer monofokalen Standardlinse ist für alle ÖGK-Versicherten kostenlos, inklusive Betäubung, Voruntersuchung und Nachsorge. Zuzahlungen fallen nur für Premium-Linsen (torisch, EDOF, trifokal) oder FLACS-Laser an.
Für Kassenpatienten fällt nur eine Zuzahlung an: torische Linsen ca. 400–800 € pro Auge, EDOF-Linsen 700–1.200 €, trifokale Linsen 1.000–1.500 €. Als reine Privatleistung liegen die Gesamtkosten inklusive Operation bei etwa 2.500–3.000 € pro Auge für eine Standardlinse und 3.500–4.500 € pro Auge für eine Premiumlinse. Alle Beträge sind ungefähre Richtwerte, keine Fixpreise. Mehr dazu auf der Kostenseite.
In den meisten Fällen ja. Eine private Zusatz- oder Sonderklasse-Versicherung übernimmt üblicherweise den Großteil der Kosten, dann werden Sie wie ein Privatpatient behandelt und bekommen praktisch alles inkludiert. Wichtig ist das besonders bei Tarifen, die stationäre Aufenthalte abdecken: Die OP läuft heute meist tagesstationär (ambulant) ab, wird von vielen dieser Verträge aber trotzdem übernommen. Ob Ihr Tarif greift, klären Sie am besten direkt mit dem Chirurgen, der kennt die gängigen Versicherungen meist gut.
Ja. In Österreich können medizinisch notwendige Operationskosten, einschließlich Zuzahlungen für Premium-Linsen, als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend gemacht werden, sofern der einkommensabhängige Selbstbehalt überschritten wird. Bewahren Sie alle Rechnungen auf und legen Sie diese Ihrem Steuerberater vor. Bei beiden Augen mit Premium-Linsen können sich die absatzbaren Beträge schnell auf einige Tausend Euro summieren.
Die neue Kunstlinse
Ja. Die Kunstlinse (Intraokularlinse) besteht aus einem stabilen Kunststoff, der sich nicht abnutzt und nicht wieder eintrübt. Sie ist für ein ganzes Leben ausgelegt und muss im Normalfall nie ausgetauscht werden. Wenn das Sehen nach Monaten oder Jahren wieder schlechter wird, liegt das meist am Nachstar, einer Trübung der Kapsel hinter der Linse, die mit einem kurzen Lasereingriff behoben wird.
Ein Austausch ist technisch möglich, aber selten nötig. Er kommt zum Beispiel infrage, wenn die berechnete Linsenstärke deutlich vom Ziel abweicht oder eine Premiumlinse dauerhaft nicht vertragen wird. In den ersten Wochen nach der OP ist ein Wechsel am einfachsten. Ob er sinnvoll ist, entscheidet der Chirurg gemeinsam mit Ihnen.
Nein. Die Linse sitzt im Inneren des Auges an der Stelle der früheren natürlichen Linse. Von außen ist sie nicht sichtbar, und man spürt sie nicht. Sie merken nur das Ergebnis: klareres Sehen.
Das ist sehr selten. Die Linse wird in den natürlichen Kapselsack eingesetzt und wächst dort fest ein. Ein leichtes Verrutschen (Dezentrierung) kommt in Einzelfällen vor, etwa nach Verletzungen oder bei sehr schwachem Bindegewebe. Falls es Beschwerden macht, lässt es sich in einem kleinen Eingriff korrigieren.
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